(Kroatien/Pakostane) Die kroatischen Behörden haben die gesetzlichen und infrastrukturellen Grundlagen für ein neues, barrierefreies Mautsystem geschaffen.
Unter dem Namen „Crolibertas“ wird ein rein elektronisches Erfassungssystem im fließenden Verkehr (Free-Flow-Verfahren) die bisherigen Mautstationen mit Schranken ablösen. Ziel der Maßnahme ist es, den Verkehrsfluss auf den kroatischen Autobahnen dauerhaft zu optimieren. Das neue System soll ab dem 1. März 2027 landesweit in Betrieb gehen.
Freie Fahrt ohne Schranken: So funktioniert die neue Maut in Kroatien
Mit dem Ende Dezember 2025 verabschiedeten Gesetz zur Mauterhebung wurde der technologische und rechtliche Rahmen für das neue System definiert. Die elektronische Mauterfassung wird sich künftig auf zwei etablierte Methoden stützen: den Einsatz von elektronischen Mautgeräten (ENC-Transpondern) direkt im Fahrzeug sowie die automatische Kennzeichenerkennung durch Kameras.
Dabei gelten unterschiedliche Vorgaben je nach Fahrzeugklasse:
Schwerverkehr (Lkw): Für diese Fahrzeuggruppe wird die Nutzung eines ENC-Geräts gesetzlich verpflichtend.
Leichte Fahrzeuge (Pkw bis 3,5 t): Fahrer von Pkw und Motorrädern haben künftig die Wahl. Sie können die Mautgebühren entweder ebenfalls über ein ENC-Gerät entrichten oder ihr Fahrzeug vorab online im System für die automatische Kennzeichenerkennung registrieren.

Gesetzlicher Rahmen, Kontrollen und Finanzierung
Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und Mautprellern vorzubeugen, regelt das Gesetz zudem die strikte Überwachung der Autobahnnutzung. Es definiert klare Strafen bei Nichtzahlung der fälligen Mautgebühren durch die zuständigen Behörden und Autobahnbetreiber. Das ambitionierte Infrastrukturprojekt wird mit 130 Millionen Euro an nicht rückzahlbaren europäischen Fördergeldern unterstützt. Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes werden die alten Bestimmungen des Straßengesetzes abgelöst.
Aufbau der Infrastruktur: 212 neue Mautportale im ganzen Land
Der Aufbau der für das System notwendigen Mautportale hat mittlerweile auf mehreren Autobahnen begonnen. Diese Portale bilden das Herzstück der neuen „Crolibertas“-Infrastruktur. Sie werden direkt über den Fahrbahnen installiert und mit modernster Technik ausgestattet: Kameras, Sensoren sowie Kommunikationsmodule ermöglichen eine automatische Detektion und Identifikation der Fahrzeuge bei voller Fahrt. Ein Anhalten zur Bezahlung entfällt komplett.
Im Laufe dieses Jahres sollen landesweit alle 212 geplanten Portale sowie die dazugehörige Technik errichtet werden. An jedem Autobahnabschnitt ist dabei jeweils ein Portal auf der freien Strecke und eines im Bereich der bestehenden (und bald obsoleten) Mautstellen vorgesehen.
Die meisten Portale entfallen auf die wichtige Nord-Süd-Verbindung A1 (Zagreb – Split – Dubrovnik) mit 67 Anlagen, gefolgt von der Autobahn A3 (Bregana – Zagreb – Lipovac) mit 38 Anlagen. Auch auf Istrien (A9) entstehen 23 neue Kontrollpunkte.

Aktueller Baufortschritt: Erste Crolibertas-Portale bereits installiert
Die Bauarbeiten schreiten nach Angaben der Betreiber planmäßig voran. Im Januar 2026 wurden unter anderem Arbeiten auf der A3 in der Gespanschaft Sisak-Moslavina, der A4 in der Gespanschaft Međimurje sowie der A11 in der Gespanschaft Zagreb durchgeführt. Als Nächstes folgen Bauabschnitte auf der A4, A3 und A5 in weiteren Regionen.
Ein wichtiges Etappenziel wurde Ende Januar 2026 erreicht: In der Gespanschaft Sisak-Moslavina konnten in einer nächtlichen Montage die letzten drei von insgesamt sieben dort geplanten Portalen für das Crolibertas-System erfolgreich aufgestellt werden. Die neuen Anlagen befinden sich unter anderem auf den Streckenabschnitten Kutina–Lipovljani und Lipovljani–Novska sowie direkt im Bereich der Mautstelle Lipovljani.
(pr/vu)